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MOTS-c: Mitochondriales Peptid in der metabolischen Forschung

10. August 2026 · 7 min Lesezeit · Glowtides Research

Kurz gesagt — MOTS-c (Mitochondrial Open Reading Frame of the 12S rRNA type-c) ist ein mitochondrien-kodiertes Peptid aus 16 Aminosäuren, das 2015 erstmals beschrieben wurde. In präklinischen Forschungsmodellen reguliert es die metabolische Homöostase über den AMPK-Signalweg, beeinflusst den Glukose-Stoffwechsel und die Insulinsensitivität. MOTS-c wird als eines der ersten mitochondrialen Peptide untersucht, das als endokriner Signalstoff zwischen Mitochondrien und Zellkern fungiert.

MOTS-c auf einen Blick
BezeichnungMOTS-c (Mitochondrial ORF of the 12S rRNA type-c)
SequenzMRWQEMGYIFYPRKLR
Molekularmasse~2.174 Da
Aminosäuren16
Reinheit≥99 % (HPLC)
KategorieMitochondrien-kodiertes Peptid (MDP)
KodierungMitochondriale DNA (12S rRNA)
Lagerung−20 °C, lyophilisiert
MOTS-c vs. Humanin vs. SHLP-Peptide
EigenschaftMOTS-cHumaninSHLPs (1-6)
Kodierung12S rRNA (mtDNA)16S rRNA (mtDNA)16S rRNA (mtDNA)
Aminosäuren162420–38
Primärer FokusMetabolismus, AMPKZytoprotection, ApoptoseVariabel
SignalwegAMPK / Folat-ZyklusSTAT3 / BAX-InhibitionVariabel
Exercise-MimeticJa (dokumentiert)NeinNein
Entdeckungsjahr201520012016
ForschungsbasisWachsendUmfangreichLimitiert

Was ist MOTS-c?

MOTS-c (Mitochondrial Open Reading Frame of the 12S rRNA type-c) ist ein 16-Aminosäuren-Peptid, das von der mitochondrialen DNA kodiert wird.[1] Es wurde 2015 von Changhan Lee und Kollegen am USC Leonard Davis School of Gerontology als erstes mitochondrien-kodiertes Peptid mit metabolischer Signalfunktion beschrieben.

MOTS-c gehört zur Klasse der Mitochondrial-Derived Peptides (MDPs) — kleine Peptide, die von kurzen offenen Leserahmen (sORFs) innerhalb mitochondrialer rRNA-Gene kodiert werden. Im Gegensatz zu den meisten mitochondrialen Proteinen wird MOTS-c ins Zytoplasma und den Zellkern transloziert, wo es als retrograder Signalstoff fungiert.

Wirkmechanismus: AMPK-Aktivierung und Folat-Zyklus

In präklinischen Modellen aktiviert MOTS-c die AMP-aktivierte Proteinkinase (AMPK), einen zentralen metabolischen Sensor.[2] Die Aktivierung erfolgt über eine Inhibition des Folat-Zyklus und eine konsekutive Akkumulation von AICAR (5-Aminoimidazol-4-Carboxamid-Ribonukleotid), einem endogenen AMPK-Aktivator.

Die AMPK-Aktivierung durch MOTS-c führt in Forschungsmodellen zu: gesteigerter Glukoseaufnahme in Skelettmuskelzellen, verbesserter Insulinsensitivität, erhöhter Fettsäureoxidation und Modulation des mitochondrialen Stoffwechsels. Diese Effekte positionieren MOTS-c als potenzielles Exercise-Mimetic — ein Molekül, das metabolische Effekte körperlicher Aktivität teilweise nachahmt.

MOTS-c als Exercise-Mimetic

Eine der aufsehenerregendsten Beobachtungen ist die Verbindung zwischen MOTS-c und körperlicher Aktivität.[3] Reynolds et al. (2021) dokumentierten, dass die zirkulierenden MOTS-c-Spiegel nach körperlicher Belastung ansteigen — MOTS-c ist damit eines der wenigen mitochondrialen Peptide, deren Sekretion durch Exercise reguliert wird.

In Mausmodellen führte die exogene MOTS-c-Gabe zu Verbesserungen bei Laufleistung, Glukosetoleranz und Körperzusammensetzung — ähnlich den Effekten moderaten Ausdauertrainings. Diese Befunde haben MOTS-c ins Zentrum der Exercise-Mimetic-Forschung gerückt.

Altersabhängiger Rückgang und Longevity-Forschung

Forschungsarbeiten dokumentieren einen altersabhängigen Rückgang der zirkulierenden MOTS-c-Spiegel in verschiedenen Spezies. In Mausmodellen korreliert dieser Rückgang mit dem Auftreten metabolischer Dysfunktion — Insulinresistenz, viszerale Adipositas und reduzierte mitochondriale Funktion.

Diese Beobachtung hat die Hypothese generiert, dass MOTS-c als mitochondrialer Biomarker für metabolisches Altern fungieren könnte — und dass eine exogene Supplementation den altersassoziierten metabolischen Decline teilweise kompensieren könnte. Die Evidenz hierfür stammt bisher ausschließlich aus Tiermodellen.

Lagerung und Handhabung im Laborkontext

MOTS-c wird lyophilisiert bei −20°C gelagert. Die Rekonstitution erfolgt mit sterilem Wasser. Die rekonstituierte Lösung sollte bei 2–8°C aufbewahrt und zeitnah verwendet werden.

Das Peptid enthält Methionin und Tryptophan — beide oxidationsempfindlich. Lagerung unter Schutzatmosphäre (Argon/Stickstoff) wird für Langzeitlagerung empfohlen.

Was sind Mitochondrial-Derived Peptides?

Mitochondrial-Derived Peptides (MDPs) sind kleine Peptide, die von kurzen offenen Leserahmen (sORFs) innerhalb mitochondrialer Gene kodiert werden. Die bekanntesten MDPs sind MOTS-c (kodiert von 12S rRNA), Humanin (kodiert von 16S rRNA) und die SHLP-Familie (Small Humanin-Like Peptides). MDPs fungieren als retrograde Signalstoffe zwischen Mitochondrien und Zellkern.

Was bedeutet Exercise-Mimetic?

Ein Exercise-Mimetic ist eine Substanz, die metabolische Effekte körperlicher Aktivität teilweise nachahmt — ohne die physische Belastung. MOTS-c wird als Exercise-Mimetic untersucht, weil es in Tiermodellen AMPK aktiviert, die Glukoseaufnahme steigert und die Körperzusammensetzung verbessert — Effekte, die normalerweise durch Ausdauertraining erzielt werden.

Ist MOTS-c ein Arzneimittel?

Nein. MOTS-c besitzt keine Arzneimittelzulassung und befindet sich ausschließlich im präklinischen Forschungsstadium. Es wird als Research Peptid für Laborforschungszwecke gehandelt — nicht für den menschlichen Konsum bestimmt. Alle dokumentierten Effekte stammen aus Tier- und Zellkulturmodellen.

Wie unterscheidet sich MOTS-c von Humanin?

Beide sind mitochondrien-kodierte Peptide, aber mit unterschiedlichen Signalwegen und Forschungsfoki. MOTS-c (16 AS, aus 12S rRNA) aktiviert AMPK und fokussiert auf metabolische Homöostase. Humanin (24 AS, aus 16S rRNA) wirkt primär zytoprotektiv über STAT3-Signalwege und Inhibition der BAX-vermittelten Apoptose. MOTS-c ist das jüngere der beiden — erst 2015 entdeckt.

Wie wird MOTS-c gelagert?

MOTS-c wird lyophilisiert bei −20°C gelagert, idealerweise unter Schutzatmosphäre (Argon oder Stickstoff). Das Peptid enthält oxidationsempfindliches Methionin und Tryptophan. Die Rekonstitution erfolgt mit sterilem Wasser. Die rekonstituierte Lösung bei 2–8°C aufbewahren und zeitnah verwenden.

Quellenverzeichnis

  1. Lee C, Zeng J, Drew BG, et al. "The mitochondrial-derived peptide MOTS-c promotes metabolic homeostasis and reduces obesity and insulin resistance." Cell Metab. 2015;21(3):443-454. PMID: 25738459
  2. Kim SJ, Xiao J, Wan J, Cohen P, Yen K. "Mitochondrially derived peptides as novel regulators of metabolism." J Physiol. 2017;595(21):6613-6621. PMID: 28574175
  3. Reynolds JC, Lai RW, Woodhead JST, et al. "MOTS-c is an exercise-induced mitochondrial-encoded regulator of age-dependent physical decline and muscle homeostasis." Nat Commun. 2021;12(1):470. PMID: 33199841

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